Viel gelernt beim Stadtteiltag zum Thema Pflege/Gesundheit

21.06.2019 | Hinter mir liegt ein Stadtteiltag zu einem Thema, dass mir nicht ganz so vertraut ist, da ich keine Fachpolitikerin im Bereich Gesundheit und Pflege bin. Umso spannender war für mich dieser Tag, da ich eine Menge Hintergrundwissen einsammeln konnte - vermittelt von Experten aus der Praxis, die nah dran an den Auswirkungen sind, die die politischen Entscheidungen in diesem Bereich tatsächlich haben. Für mich wollte ich dabei vor allem Punkte mitnehmen, die die Politik angehen sollte.

Von meinem Besuch beim Pflegestützpunkt konnte ich da gleich etwas sehr konkretes mitnehmen. Im Bereich der ambulanten Pflege hat es in den vergangenen Jahren Verbesserungen gegeben, auch durch beispielsweise die Einführung neuer Pflegegrade, die eine finanzielle Unterstützung jetzt schon früher ansetzen lassen. Allerdings ist es wohl so, gerade hier bei uns in Berlin, dass die Mittel, die man beim niedrigsten Pflegegrad bekommen kann, noch viel zu selten abgerufen werden. Hierbei geht es noch nicht um Pflegemaßnahmen, sondern um eine erste Unterstützung im Haushalt, ob beim Einkaufen, Kochen oder Putzen. Die momentane Regelung ist allerdings noch relativ restriktiv - die Leistungen dürfen nur von anerkannten Anbietern erbracht werden (von denen es wohl auch bisher zu wenige gibt) und so ist es unmöglich, z.B. jemanden aus der Nachbarschaft oder Familie für diese Dienstleistungen zu bezahlen. Da die Bundesländer die Möglichkeit haben, dies selbst auszugestalten, werde ich einmal nachhaken, warum es hier keine Öffnung zu einer unbürokratischeren Vorgehensweise gibt, die es den Betroffenen leichter macht, die Ihnen zustehenden Gelder auch tatsächlich zu nutzen.

Kinderarztmangel in Pankow - gibt es diesen oder nicht? Wo liegen die Gründe und was muss getan werden? Neben der Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci diskutierten zwei Kinderärzte, die Ärztekammer Berlin, Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung und der Pankower Stadtrat Torsten Kühne mit mir über diese Fragen und auch hier habe ich wieder einiges gelernt. Z.B., dass bereits mehr getan wurde, als von mir vermutet. So gibt es eine neue Regelung, die eine Verlegung einer Praxis in einen anderen Bezirk nur noch in Richtung eines schlechter versorgten Bezirk möglich macht und dies hat dazu geführt, dass es schon zu sichtbaren Verbesserungen gekommen ist. Auch ist allen beteiligten Akteuren bewusst, dass die Begutachtung des Versorgungsgrades auf Bezirksebene im Grunde viel zu groß angelegt ist. Denn auch wenn, wie im Falle Pankows, der Bezirk als Ganzes laut der Statistik nicht unterversorgt ist, so gibt es doch einzelne Gebiete, die das aufgrund des enormen Bevölkerungswachstums eben doch sind. Hier zu einer näheren Betrachtung einzelner Gebiete zu kommen - das ist gewollt und daran wird auch schon konkret gearbeitet. Mein Eindruck war ganz generell, dass hier alle Seiten konstruktiv an einem Strang ziehen.

Und, auch bei der Ärzteversorgung gilt, was die ganze Stadt beschäftigt: Wir wachsen und kommen mit vielen notwendigen Schritten einfach nicht hinterher. Dies gilt nicht nur für die Ärzte selbst - es fehlt auch an Platz für neue Praxen. Deshalb arbeitet die Gesundheitsverwaltung darauf hin, auch diese Frage zukünftig in der städtebaulichen Bedarfsplanung mitzudenken. 

Gleich im Anschluss ging es weiter mit einem Fachgespräch über den Fachkräftemangel in der Pflege. Haupthema war hier das Problem der Leasingfirmen. Die Zeitarbeit im Bereich Pflege hat dazu geführt, dass die Fachkräfte aus den Einrichtungen in die Zeitarbeitsfirmen abgezogen wurden. Und zwar, weil diese mehr Flexibilität und bessere Bezahlung bieten können. So ist in den vergangenene Jahren die Zahl der Leasingkräfte in der Pflege in Berlin von 10.000 auf 70.000 gestiegen. Eine beeindruckende Zahl, die verdeutlicht, dass diese Menschen in den festen Teams der Einrichtungen fehlen. Eine fatale Entwicklung. Leider wohl nur auf Bundesebene lösbar - ich will mich hier bei meinen KollegInnen im Bundestag einmal schlau machen, was und ob da etwas in diese Richtung bereits angedacht ist.

Ein Tag mit viel Input ging bei strahlender Sonne mit einem Infostand auf der Greifenhagener Brücke zu Ende. Ich freue mich schon auf den nächsten Stadtteiltag!

Ihre Clara West

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