Zum Thema: Gutes Personal gewinnen und binden – neue Wege bei der Personalgewinnung und Personalbindung

20.02.2020 | Sehr verehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen,

gutes Personal für den öffentlichen Dienst zu gewinnen und zu halten: Das ist und bleibt alles andere als einfach. Weder der Bevölkerungszuwachs noch der allgemeine Fachkräftemangel gehen spurlos an uns vorbei. Dementsprechend ist das Thema Personalgewinnung schon seit vielen Jahren ein wichtiges Thema für uns als Parlament und im Senat. Deshalb haben wir es regelmäßig auf der Tagesordnung - im Plenum, im Hauptausschuss und im Unterausschuss Personal.

Der hier vorliegende Antrag dokumentiert daher vielleicht den Willen der FDP-Fraktion, sich mit bestenfalls gutgemeinten Vorschlägen an der Debatte zu beteiligen. Er bleibt aber in mehrfacher Hinsicht hinter dem zurück, was wir längst angeschoben haben und was der Senat bereits erfolgreich umsetzt. Er bleibt übrigens auch hinter dem zurück, was schon länger möglich ist: Im Land Berlin kann schon heute ein Sonderzuschlag in Höhe von 10 Prozent des Anfangsgrundgeltes etwa dann gewährt werden, wenn ein wichtiger Dienstposten sonst nicht besetzt werden könnte. Die Entscheidung liegt bei der obersten Dienstbehörde im Einvernehmen mit der Finanzverwaltung.

Was mich an ihrem Antrag verwundert ist die Tatsache, dass Sie ihr überflüssiges Füllhörnchen lediglich über den Beamtinnen und Beamten ausschütten wollen. Zu den Angestellten ist Ihnen offenbar nichts eingefallen. Oder haben Sie die einfach vergessen? Was mich auch ein wenig verwundert, liebe FDP: Sie machen unter dem Titel “Gutes Personal gewinnen und binden“ ausschließlich Vorschläge für finanzielle Anreize machen.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Der Mammon ist nicht schnöde, natürlich ist Geld nicht egal. Aber wir sind bei der Bezahlung doch längst nicht mehr das Schlusslicht  – wir haben sowohl bei den Angestellten als auch bei den Beamten kräftig auf den Durchschnitt der Länder aufgeholt. Und darauf können wir stolz sein – und das sind wir auch! Die Gründe dafür, warum jemand geht oder bleibt, sind doch in Wahrheit deutlich vielfältiger. Ein Prämiensystem allein ist da keine Lösung. Wir werden den Wettlauf um die besten Köpfe jedenfalls nicht gewinnen, indem wir mit Geld um uns werfen, das wir nicht haben. Und das wissen Sie ganz genau. Es wäre schlichtweg unrealistisch, den Bund als Konkurrenten so finanziell einholen zu wollen.

Wenn man sich das Ergebnis der entsprechenden Mitarbeiter­befragungen anschaut, dann ist Geld nur einer von mehreren Faktoren, die den Ausschlag geben. Es muss unser Ziel sein, die Berliner Verwaltung auf anderem Wege zu einem tollen Arbeitergeber zu machen. Wettbewerbsvorteile als öffentlicher Arbeitgeber hat man vor allem dann, wenn es eine gute, realistische Aufstiegsperspektive in einer guten Verwaltung gibt, wenn das Arbeitsklima stimmt und wenn sich Familie und Beruf unkompliziert miteinander vereinbaren lassen. So gewinnt man motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es geht gerade den Jüngeren nicht nur um immer mehr Geld um jeden Preis, etwa auf Kosten der Familie. Es geht um mehr Lebensqualität.

Genau in diese Richtung gehen ja alle Bestrebungen bereits. Wir können uns die aktuellen Berichte dazu im Ausschuss gerne noch einmal gemeinsam anschauen – Ihren Antrag jedenfalls sollten wir daher erstmal dorthin überweisen.

Danke.

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