Zum Thema: Berlin bereitet sich auf "30 Jahre friedliche Revolution" vor

Rede von Dr. Clara West zum Thema: Berlin bereitet sich auf "30 Jahre friedliche Revolution" vor

23.11.2017 | gehalten am 16.11.2017

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Die Sehnsucht nach Freiheit – hier in Berlin verstehen wir sie verdammt gut. Vor allem wohl auch deshalb, weil Freiheit bei uns eben nicht immer selbstverständlich war. Sie wurde im Lauf der Zeit nicht selten bedroht, und in den dunkelsten Kapiteln unserer Geschichte war sie sogar fast gänzlich aus dieser Stadt verschwunden. Sie immer wieder zu erkämpfen, um sie zu bangen und sie neu zu verteidigen, vor dieser Aufgabe stand und steht Berlin immer wieder. Dabei standen die Bürger Berlins nie allein im Ringen um Freiheit und Selbstbestimmung. Nicht nur die Befreiung der Stadt vom Terror des Nationalsozialismus durch die Alliierten ist dafür ein eindringliches Beispiel, sondern ebenso der Fall der Mauer, der gezeigt hat, zu welchem Mut die Sehnsucht nach Freiheit Menschen beflügeln kann. Die ganze Welt hat damals zum wiederholten Mal auf diese Stadt geschaut. Sie hat damals mit uns den  Atem angehalten und zollt uns bis heute Respekt und Anerkennung für diesen ganz besonderen Freiheitswillen der Berlinerinnen und Berliner.

Aber auch heute, demnächst drei Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer, brauchen wir die Stimmen und Ideen, die Erfahrungen und Geschichten von denjenigen, die schon immer, schon lange hier leben, aber auch derer, die dazu gekommen sind, um gemeinsam einen Weg zu finden, diese Freiheit auch in schwierigen Zeiten zu verteidigen.

Schwierig sind unsere Zeiten heute. Trotz vieler Hürden, mit vielen Anstrengungen und aufgrund eines breiten Engagements der Menschen, die in dieser Stadt leben, ist es uns gelungen, dass wir Tausenden von Flüchtlingen hier nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch ein Zuhause bieten können, solange sie in ihrer Heimat nicht sicher und frei sind.

Nach dem schrecklichen und erschütternden Anschlag auf dem Breitscheidplatz vor fast einem Jahr haben wir Berlinerinnen und Berliner uns nicht davon abbringen lassen, erneut um unsere Freiheit zu kämpfen, gerade weil die Schicksale der Verstorbenen und ihrer Angehörigen uns tief ins Mark getroffen haben. Denn unsere Stadt ist heute wie gestern die Stadt, die um Freiheit bangt, kämpft, aber sie auch immer wieder neu verteidigt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ganz besonders deshalb bin ich und sollten wir alle stolz auf unsere Stadt sein. Berlin war und ist die Stadt der Freiheit. Deshalb: Wer sonst als wir Berlinerinnen und Berliner sollten die Feierlichkeiten zum dreißigjährigen Jubiläum der friedlichen Revolution und der Freude über die Wiedergewinnung unserer Freiheit durch den Fall der Mauer ausrichten? Wer könnte besser der Freude Ausdruck verleihen, dass sich die Ostdeutschen aus eigener Kraft von den Fesseln der Diktatur befreit haben?

Vizepräsidentin Cornelia Seibeld:

Frau Kollegin! Gestatten Sie eine Zwischenfrage von Herrn Trefzer?

Dr. Clara West (SPD):

Von Herrn Trefzer? – Bitte schön.

Martin Trefzer (AfD):

Vielen Dank, Frau Dr. West! – Ich finde es anerkennenswert, was Sie hier zum Thema Freiheit sagen. Mal eine Frage: Warum haben Sie das eigentlich nicht in den Antrag geschrieben, was Sie hier gerade ausführen?

Dr. Clara West (SPD):

Ich bin jetzt gerade ein bisschen irritiert. In diesem Antrag geht es um das Jubiläum der friedlichen Revolution und des Mauerfalls. Um was anderes ging es denn dort bitte als um das Erkämpfen der Freiheit?

Vielleicht lassen Sie mich doch noch kurz auf den Antrag eingehen, wenn ich darf. Wir haben noch ein bisschen Zeit, darüber zu sprechen, wie wir das alles begehen wollen. Diesen Prozess wollen wir im Parlament aktiv gestalten und diskutieren. Deshalb freue ich mich, dass wir diesen Beschluss über den vorliegenden Antrag mit fünf Fraktionen heute auf den Weg bringen können. Lassen Sie uns den Senat auffordern, bald ein Konzept vorzulegen, über das wir hier im Parlament beraten und mit denjenigen, die in dieser Stadt leben, diskutieren wollen.

Lassen Sie uns das heute Anlass sein, uns hiermit auch zu verpflichten, dem Kandidaten für das Amt des später noch zu wählenden Landesbeauftragten für Aufarbeitung – an der Stelle freue ich mich, Tom Sello später hier auch begrüßen und ihn wählen zu dürfen – das Signal des Hauses mitzugeben, dass wir ihn in die Diskussion ebenfalls mit einbeziehen wollen, zum Beispiel dadurch, dass wir seine Expertise für die Ideen zum Jubiläum einholen.

Zum Schluss: Lassen Sie uns das zum Anlass nehmen, weiterhin gemeinsam hier im Parlament und in der ganzen Stadt für die Freiheit Berlins und aller, die hier leben, zu bangen, zu kämpfen und sie immer wieder neu zu verteidigen.

 

 

 

 

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