Zum Thema: Antrag der AfD zur Gedenkstätte Hohenschönhausen

Rede von Dr. Clara West zum Thema: Antrag der AfD zur Gedenkstätte Hohenschönhausen

13.12.2018 | gehalten am 13.12.2018

Sehr verehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Im Namen meiner Fraktion möchte ich hier sehr deutlich sagen: Die Entscheidung, Hubertus Knabe als Leiter der Gedenkstätte Höhenschönhausen abzuberufen, war richtig.

Ein Mitglied des Stiftungsrates hat in diesem Zusammenhang von „hässlichen Einblicken“ gesprochen, „die ganz bewusst nicht benannt werden“. Der Stiftungsrat sei zu dem Ergebnis gekommen, dass Knabe die Missstände über Jahre geduldet, gedeckt und durch seinen Führungsstil befördert habe. Das sind deutliche Worte. Und diese deutlichen Worte hat niemand anderes gesagt als Frau Grütters.

An dieser Stelle möchte ich Monika Grütters und Dieter Dombrowski als Mitglieder des Stiftungsrates einen besonderen Dank aussprechen. Sie haben in den letzten Tagen und Wochen bewiesen, dass ein anständiger Umgang mit dieser scheußlichen Geschichte möglich ist. Sie hatten den Mut, diese notwendige Entscheidung mitzutragen. Und das, obwohl sie sicher geahnt haben, dass das bei Ihren politischen Freunden sicher nicht auf ungeteilte Zustimmung stoßen würde.

Der Stiftungsrat hat eine Entscheidung im Sinne der Mitarbeiterinnen und er hat eine Entscheidung im Sinne der Opfer getroffen. Das, was in Hohenschönhausen an angemessener Aufarbeitung und würdevollem Gedenken geleistet worden ist, was dort aufgebaut worden ist, das darf nicht gefährdet und aufs Spiel gesetzt werden. Es kann und darf hier nicht um persönliche Eitelkeiten gehen. Es geht um die Opfer und das, was sie erlitten haben. Es geht darum, dass wir uns unserer Geschichte stellen. Entkommen können wir ihr sowieso nicht. Niemals.

Das werden Sie, werte Kolleginnen und Kollegen von der AfD, allerdings niemals begreifen. Für Sie und Ihresgleichen ist ja selbst das furchtbarste Verbrechen der Menschheitsgeschichte nicht mehr als ein Fliegenschiss angesichts tausendjähriger deutscher Erfolgsgeschichte. Und ausgerechnet Sie versuchen, sich als einzig wahre Sachwalter der Interessen der DDR-Opfer in Szene zu setzen. Das ist ein starkes Stück, das ist eine Schmierenkomödie. Das ist peinlich.

Angesichts sexueller Belästigungen und anderer Übergriffe ausgerechnet in einer Gedenkstätte schwurbeln Sie im schönsten Politiker- und Juristendeutsch etwas von „hinlänglich belegbaren Tatsachen“ daher. Sie erklären die ganze Angelegenheit zu so einer Art Strafverfahren, damit die Verantwortung des Leiters nicht so sehr ins Gewicht fällt.

Sie fordern die Einsetzung eines „unabhängigen Ermittlers“. Dieser Ermittler von AfD-Gnaden soll dann offenbar irgendwie herausfinden, ob die Mitarbeiterinnen die Wahrheit sagen oder ob sie nicht vielleicht doch von irgendeinem roten Teufel besessen sind. Dann wäre die Entlassung von Herrn Knabe eine Art Hexenwerk. Die betroffenen Frauen sind ihnen in Wirklichkeit doch total egal. Sie haben weder Verständnis noch Mitgefühl für diese Frauen. Und deshalb werden Sie nie begreifen, dass man in so schwierigen Situationen dafür sorgen muss, dass die Betroffenen Gehör finden können, ohne Schaden fürchten zu müssen.

Lehrer an den Pranger. Schulkinder als Schulspitzel. Und jetzt eine als unabhängige Ermittlung getarnte Hexenjagd auf die Mitarbeiterinnen der Gedenkstätte. Das ist wirklich unglaublich. Sie sind die neuen Brunnenvergifter. Sie säen Wind, und Sie wollen Sturm ernten.  Aber das können Sie vergessen. Wir werden Ihre Hexenjagd nicht zulassen. Und wir verlangen Respekt vor den Opfern und Respekt vor denen, die sich seit Jahren um Aufarbeitung, Erinnerung und Gedenken bemühen. Diesen Respekt erwarten und verlangen wir auch von Ihnen.

Ja, sogar von Ihnen.

Danke.

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